Montag, 18. April 2011

Hat hier jemand was verbrannt?

 - Das sind die Religiösen.
- Was?
- Die verbrennen die Brote. Wegen Pessach. Du kannst kuken gehn wenn du willst. Schau mal :D Ilan isst Gras :D

Abgelenkt von dem Gras essenden Friend und etwas bewegungsfaul wegen der Hitze hab ich es mir gespart die Brot verbrennenden Juden anzusehen.
Pessach, das Fest des Auszugs aus Ägypten. Die Geschichte kennt man, Pharao, Mose, Plagen, Blut an der Tür, ab in die Wüste. Was aus diesem uralten Fest geworden ist hat bezüglich des Stressfaktors große Ähnlichkeit mit Weihnachten - jedenfalls bei den halbwegs religiösen Juden. Hier ein kurzer Einblick in die Checkliste des Pessachs:

Gesäuertes (Chamez) ist strengstens verboten. Gegessen wird Mazza, Riesencracker wie mein holländischer Worker es zu nennen beliebt, nahezu geschmackslos, blöd zu essen weil viele Brösel und noch dazu ein Dickmacher.

Alles was jemals mit Gesäuertem in Berührung kam, darf nicht benutzt werden. Für Pessach kann man nur Glas und Metall kosher machen, also fallen schon mal Porzellan und Tongeschirr weg. Der Einfachheit halber entweder neues Geschirr oder man hat schon ein extra Pessachgeschirr.

Alles Gesäuerte muss aus dem Haus. Darum macht man gleich einen ganzen Hausputz, verschenkt oder isst alles Gesäuerte, manche verbrennen das Zeug wie heute gerochen.

Pessach beginnt mit dem Seder (dt: Ordnung): Gegessen/ getrunken wird:
Vier Gläser Wein, für die vier Versprechungen Gottes (Wegführung aus Ägypten, Befreiung vom Frondienst, Erlösung und Ernennung zu Gottes Volk)
Mazza: ungesäuert, weil das Volk in grosser Eile war.
Karpass (Gemüse): Das armselige Essen in Ägypten
Bitterkräuter: nicht schwer zu erraten, schliesslich war in Ägypten alles ziemlich bitter.
Dann ein Gemisch aus Äpfeln, Wein, Zimt und Nüssen, das ist der Mörtel mit dem die Israeliten in Ägypten gebaut haben.
Eine Schale Salzwasser für Israels Tränen
Ein gerösteter Knochen für das Brandopfer das früher an Pessach gebracht wurde
Ein gekochtes Ei als Trauerzeichen für den zerstörten Tempel
Plus ein Becher Wein für Elia, der den Messias ankündigen soll.

Wie alle jüdischen Feste - tausend Regeln, tausend Riten.
Wie sieht es denn praktisch aus? Hört das:
"Ach ja, eignetlihc ist es ja ein schönes Fest. Die Familie ist zusammen, wir gehen zu meiner Oma, weil sie zu faul ist, zu uns zu kommen. Sie ist alt, ok, aber sie wohnt nur ein paar Straßen weiter. Naja, ich sage dazu nichts. Und dann gibt es immer Geschenke, ich freu mich schon voll, mein Bruder schenkt mir immer so schönen Schmuck. Oh, ich hab total vergessen die Geschenke für meine Eltern zu kaufen! Mist. So was Blödes. Hey, ist es ok wenn ich früher geh heute? Oh nein, wie konnte ich das vergessen. Was soll ich nur kaufen? Das ist so schwer, ich weiss nie was ich meinem Vater schenken soll... Bah, das heisst ich bin morgen wieder totmüde, wenn ich noch in die Stadt fahre. Und ich muss doch so viel kochen! Chrissi, für 20 Leute! Weiss gar nicht warum wir jedes mal auch die Nachbarn einladen müssen. Sollen sie doch zu ihren Familien gehn. Und das ganze Geputze, fürchterlich. Bah, das hasse ich total. Immer so ein Stress, immer so ein Stress....."

So ging sie von dannen. Sagt nicht, dass euch das nicht irgendwie an den 23. Dezember errinnert ;)

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