Dienstag, 14. Dezember 2010

Nachruf

 Die Ära der beiden Ch/Kristinas in Jerusalem, die lange Zeit die einzigen beiden Mädchen von Hagoshrim in Jerusalem waren, geht wohl ihrem Ende zu. Meine Zimmergenossin/Freundin/Schwester hat mich nach viereinhalb Monaten nun verlassen um ein neues Leben in Deutschland anzufangen.

Da ich weiß, dass du das hier lesen wirst, hier ein dickes DANKE für die letze Zeit :) 
Ich werde es vermissen mitten in der Nacht geweckt und zur Mückenvernichtung aufgerufen zu werden, ich werde es vermissen mit dir zu kochen, in Cafés herumzuhängen und beim Kaffeetrinken über das Leben nachzudenken, ich werde es vermissen dich auslachen zu können wenn du dir mal wieder eigentlich nur Souveniers kaufen wolltest und am Ende mit vier dicken Tüten voller Klamotten dastehst und ich werde dein ansteckendes Lachen vermissen, das Leute so in den Wahnsinn treibt ;)
Danke, dass du mir immer in Rat und Tat zur Seite gestanden bist. Ich wünsche dir ein tolles Leben, Gott sei mit dir meine Liebe - auf dass wir uns wiedersehen. 






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Vorstellungsgespräch Hannover :
"Hi, ich bin Chrissi." "Hi, ich bin Kristina, wie lustig. Haha warum bist du denn so klein?"  oO(Oh, no was ist das denn für eine Schrägschraube...)


5 Uhr nachmittag, ich mach eine Pause und geh ins Zimmer, wo Kristina immer noch oben im Bett sitzt.
"Hey Kris, was hast du heute so gemacht?" 
"Da war diese Spinne. Sie ist aus der Ecke dort beim Schrank gekommen und hat so zwanzig Minuten gebraucht, um die Wand hochzukrabbeln. Siehst du hier, ich hab sie getötet. Aber sie hatte noch Kinder oder so, die sind bis zur Decke gekrabbelt, die eine hat bei der Lampe eine Pause gemacht voll lange aber dann ist sie irgendwann nach ner Stunde auch zu meinem Bett gekrabbelt und da hab ich sie auch getötet. Die andere ist wieder verschwunden, ich frag mich wo sie ist, ich warte irgendwie schon ziemlich lang...."


Chrissi studiert den Shiftplan.
"Hey Kris kuk mal wir haben beide Donnerstag frei. Was wollen wir machen, wollen wir ans Tote Meer oder wollen wir mal fett frühstücken gehn?"
"Hmmmmm.....lass ma frühstücken."


Mitten in der Nacht. Ich wache auf, mein Laptop liegt mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden, der kleine Spiegel, der normalerweise auf dem Fenstersims steht liegt obendrauf, alles liegt chaotisch rum, Licht brennt, es riecht intensiv nach Mückenspray und Kristina ratzt gemütlich vor sich hin.
"KRISTINA WAS ZUM GEIER?!?!?!"
"Ahhhh...ohhh.....ähhh....die Mücke, da war ne..... Mücke...chrrrrrrrrr"

Kristina: "This is not your ernest!"
Ben: "?? Oh my, your english sucks so much." 

Notiz am Rande

Es war etwas Besonderes, als ich traurig und in Erwartung eines schlimmen Ereignisses auf einer Bank vor dem Supermarkt saß und der alte, jüdische Mann mit Baskenmütze und Plastiktüte in der Hand auf mich zukam, mir die Hand auflegte und sagte "God bless you."

Erstaunlich auf wie viele Arten Gott tröstet und segnet.



Mittwoch, 17. November 2010

Chrissis Blog 1.1 - Updates.

Es ist viel passiert, aber irgendwie doch nichts so richtig Großes, dass es einem die Motivation gibt einen Blogeintrag zu schreiben. Darum ist hier jetzt einfach alles zusammengemixt.

Reisenotiz, die 1000ste

Ein Trip in den Norden Israels, mit der alten Crew David, Eduard, Kyrill und Chrissi + Joni. Auto gemietet und alles abgeklappert was man so abklappern kann im Norden - Ezra, der altbekannte langjährige Freund von Hagoshrim, der ständig von Volos besucht wird, hat uns netterweise in seinem Kibbuz übernachten lassen wärend wir tagsüber im Golan herumgefahren sind, Naturparks abgeklappert haben, beinahe versehentlich die Grenze zum Libanon überquert haben, auf dem Berg Hermon geschlafen haben und Schwefelbäder genommen haben.
(Wenn ich so darüber nachdenke, folgt vielleicht noch ein längerer Artikel darüber^^)

Ein Kommen und Gehen

Mit Davids Abschied ist die "gute, alte Generation, in der sowieso alles besser war" (^^) fast gänzlich vom Fenster verschwunden, dafür ist aber auch eine Menge Nachschub gekommen - auch Beit Or sagt  mit einem lachenden und einem weinenden Auge:
Tschüss Eric und Hallo Raphael :)


Plitsch Platsch

Es ist Regenzeit und es regnet unheimlich viel hat bis jetzt an einem Tag eine halbe Stunde geregnet.
Es wird schon um halb fünf dunkel, was gar nicht so untypisch für die Zeit ist, erst recht nicht wenn man aus Europa kommt, was aber gewöhnungsbedürftig ist, ist dass man tagsüber noch gut in Shorts und Tshirt herumlaufen kann während man abends ohne schlechtes Gewissen Winterboots anhat und gemütlich heissen Kakao schlürft. Ich hab mich nicht so schnell daran gewöhnt und hab mir eine fiese Erkältung geholt, die dummerweise ihren Höhepunkt an meinem

Geburtstag 

hatte-.- Ja, Chrissi ist jetzt 20, wollte ich noch bemerkt haben :> Ich danke allen Gratulanten, danke an meine Gemeinde für den Bibelvers und danke für die netten Leute die mir den Tag trotz Rotznase versüßt haben :)

Samstag, 16. Oktober 2010

Spaziergänge

Einen Großteil meiner Arbeitszeit verbringe ich mit Spaziergängen. Es tut gut, an die frische Luft zu gehen, die schöne Aussicht auf den Rest Jerusalems zu genießen während man mit einem der Friends auf Gilos Straßen flaniert. Was hier gerade wunderbar entspannend und wohltuend klingt, kann aber auch ganz schnell ins Gegenteil umschlagen....

Der erste Spaziergang überhaupt, im Alleingang, nur ich und der Freund. Der autistische Freund, dessen Namen ich aus Rechtsgründen nicht nennen darf, ist ein angenehmer Zeitgenosse, abgesehen von seiner Besessenheit von Papierkügelchen und allem Essbaren, darum hatte ich gar keine Bedenken mit ihm eine kleine Runde durch den Gilopark zu drehen, denn dort gibt es bekanntlich keine Papierkügelchen und im Normalfall auch nichts zu essen. Wie gesagt, im Normalfall. Dummerweise war der besagte Tag nicht der Normalfall, denn an diesem besagten Tag beschlossen auf einmal sämtliche Familien des Stadtteils Gilo, dass es der perfekte Tag für ein Picknick im Park wäre.
Ich wunderte mich schon, dass mein namenloser Freund bereits auf der Hauptstraße schnurstracks auf den Park zusteuerte....dann der „AHA!“-Moment als ich die karierten Decken, die Picknickkörbe, die spielenden Kinder und die Berge von Pitas, Hummos, Äpfeln, Trauben und Getränken und den gierigen Blick meines Freundes sah. Aber da war der Zeitpunkt des Umkehrens wahrscheinlich sowieso schon vorbei, ich hatte einen kurzen „OH NO!“-Moment und dann rannte ich dem Langen hinterher. Hier sei kurz nebenbei bemerkt, der besagte Freund ist ziemlich groß, ziemlich schnell (wenn es um Essen geht) und ziemlich stark ist. Wenn es um Essen geht. Normalerweise schafft er es nicht mal, eine Plastiktasse mehr als zwei Minuten zu halten, weil er eine einzige Schlaffheit ist. Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zum Park.
Der auf einmal monsterstarke, schnelle und hungrige Freund läuft auf das idyllische Familienpicknickbild zu und verwandelt es in einen einzigen Ausdruck von Überraschung, dann Angst, dann Aggressionen seitens der Familienväter und -mütter. Das interessiert den hungrigen Freund aber nicht, er greift sich, was er bekommt – es war ein Pitabrot – und verleibt es sich unappetitlich sabbernd und vor allem unglaublich schnell ein.
Nach meinem peinlich berührt lächelndem „Sorry, he's an autist“ schlug die Stimmung ziemlich radikal um, mein Freund bekam eine zweite Pita geschenkt, alle lachten, alle fanden die Situation auf einmal halb so wild.
Und der genüsslich Pita-kauende Freund und ich schlenderten glücklich und zufrieden Hand in Hand wieder heimwärts.
 

Ein Spaziergang aus Langeweile, mit R.. Bei R. muss man wissen, dass er auf den ersten Blick tatsächlich nicht autistisch aussieht, sondern wie ein total normaler, vielleicht so 18-jähriger, etwas pummeliger Junge.
R. und ich liefen also die Straße hinunter, angenehmes Wetter, kaum Verkehr, nur ein paar Jogger und ein paar Leute die ihre Hunde ausführten. Ein kleiner Junge mit einem noch kleineren Hund trabte munter an uns vorbei, und blieb weiter vorne stehen, weil der noch kleinere Hund ein Häufchen setzen musste.
R. bleibt stehen, schaut das kleine Wesen etwas verdutzt an, lässt die Hose runter und setzt neben den Hundehaufen ein Menschenhaufen.
Der Anblick: Unglaublich komisch und irgendwie eklig – der Blick des Jungen: Unbezahlbar :D


S. ist auch einer von den Kandidaten, von denen man im ersten Moment denkt, sie wären etwas seltsam, aber nicht sonderlich unnormal.
Mit S. machte ich in den späten Abendstunden noch eine Runde um den Block, weil er trotz der späten Zeit noch voller Energie steckte und diese im Hostel ungute Auswirkungen auf Türen, Klamotten und Sofas hatte.
Er schien sich auch gut zu beruhigen, ganz gemütlich trabte er neben mir her, mit seiner Mütze, seinem Holzfällerhemd sah es aus, als würde ich mit meinem Großvater spazieren gehen (auch wenn S. gar nicht so alt ist – sein Kleiderstil machts).
Wie es dazu kam, dass sich ein alter Mann, ein wirklich alter Mann mit Gehwägelchen, zu Tode erschreckte? Nun, ich denke der alte arme Mann wollte, so wie wir, auch nur die kühle Nachtluft genießen und schob langsam und gemütlich sein Wägelchen den Berg hoch, den ich gerade mit S. hinunterging. Plötzlich – ich mache den abfallenden Weg dafür verantwortlich, der einfach dazu einläd, ihn hinunterzurennen – fing S. an zu rennen. Und spätestens wenn S. anfängt zu rennen, merkt auch Otto Normalverbraucher, dass mit S. irgendwas nicht stimmt, denn wenn S. rennt, hat man jeden Moment Angst, dass er zusammenklappt. Sein Kopf wackelt, als wäre er nicht richtig festgemacht, seine Arme angewinkelt als würde er fliegen wollen und seine schlacksigen Beine fliegen nur so dahin. Und so steuerte er direkt auf Großvater Wägelchen zu, der erst geschockt große Augen machte - „Oivavoi, Oivavoi“ - und dann nicht wusste wohin er ausweichen sollte mit seinem Wägelchen – links rechts zurück, doch nicht, schließlich stand er nur mit zitternden Knien und Händen an dem Wägelchen geklammert da. S. rannte vorbei, ich durfte mich mal wieder in aller Form entschuldigen und mich vergewissern, dass der arme alte Kerl ok war. Er war ok, und er nahm es S. nicht übel, sondern setzte seinen Weg nach einer kurzen Verschnaufpause wieder im selben Tempo wie vorher fort, während ich den total ausgepowerten und energielosen S. wieder heimschleppte, wo er sofort ins Bett fiel, um Energie für den nächsten Tag zu sammeln.

Sonntag, 26. September 2010

Am Toten Meer

Letzten Donnerstag waren Ariella, Kristina und Christina am Toten Meer. Und neeeein diesmal kein typisches  Touristending, denn Ella als gebürtige Israelin hat uns alle Insiderplätze gezeigt, die unglaublisch schön und vor allem menschenleer waren (die meiste Zeit jedenfalls, abgesehen von ein paar nackten Menschen, die dachten dass die Menschenleere von Dauer ist. Oder auch nicht? o.O)
Es war ein träger Tag. Im Vergleich zu Jerusalem war es am tiefsten Punkt der Erde nämlich relativ - sagen wir mal, hmmmmmm HEISS. Die meiste Zeit lagen wir auf dem Wasser herum, ja auf dem Wasser, wirklich, tatsächlich, keine Lüge, ich hab das wirklich selber erlebt, ab und dann rannte mal jemand unter schmerzerfüllten Schreien raus  um sich in den kalten und vor allem nichtsalzigen Mineralwasserpool zu stürzen und sich Unmengen Salz aus den Augen zu waschen. Zwischendrin gabs bisschen Dosenfutter (Vineleaves - für alle Rumänen, die das lesen: Sarmale aus der Dose;), Thunfisch, Palmherzen und Fladenbrot), Sonne, Musik.
Abgesehen von brennender Haut, salzigen Haaren und einer übermenschlichen Müdigkeit am Ende des Tages, an dem man das angenehme Klina Jerusalems neu zu schätzen lernt, ("Chrissi, wie können die nur in kurzen Hosen herumlaufen, ich FRIERE!" Kristina, salzig, dreckig, kaputt wie ich, Centralbusstation, Bus kommt nicht, Wind weht.) ein wunderschöner entspanner Tag mit den Mädels, hihi.








Donnerstag, 23. September 2010

David's Stadt

(Juhu, ein Post mit Bildern)

Ein kleiner Trip in die Altstadt war vor kurzem noch mit drin, in die dort gelegene Davids Stadt. Zu begutachten gibts da Ausgrabungen von der alten Davidsstadt, ziemlich interessant, mit Sicherheit, nur war es ziemlich heiß und Chrissi hat ziemlich geschwitzt (ihh)  - darum war das Hauptziel eignetlich der Hiskia-Tunnel.
Kurzer historischer Rückblick: Der 500m lange Tunnel wurde vor ungefähr 1000 (nein, nein, vor viel viel mehr natürlich) Jahren gebaut, um die Gihonquelle von ausserhalb der Stadtmauern ins Innere, in den Siloah-Teich zu leiten - praktisch im Falle von Belagerungen oder Sonstigem.
So, ebendiesen Tunnel sind dann zwei tapfere Volos entlanggewatet, in pechschwarzer Finsternis nur mit mini LEDLampe, in unheimlicher Enge und mit dem Gefühl dass einem die Decke auf den Kopf fällt, während die Füße bereits im kalten, trüben, wadenhohem Wasser zu runzeln beginnen. Platzangst lässt grüßen:)

Montag, 20. September 2010

Chag Sameach allerseits

(Fröhliche Feiertage)

So, nachdem mein Blog als typischer Frauenblog beschimpft wurde (pff), auf dem nicht viel passiert und wenn dann nur nichtssagendes subjektives Geschreibe (pfffffff) - bekommt ihr hier ein (hoffentlich einigermaßen korrektes) Wissenspaket über die Feiertage, die hier gerade so am Start sind :) 

Zum einen hat hier letzte Woche am 8. September ein neues Jahr angefangen, nämlich das Jahr 5771 nach jüdischem Kalender. Das Neujahrsfest heißt Rosch HaSchana (erinnert euch das an den "guten Rutsch"? kommt tatsächlich davon, dass ein paar Leute nicht richtig zugehört haben;)), ist das erste der vier wichtigsten (?) kurz aufeinanderfolgenden jüdischen Feste (Jom Kippur, Sukkot, Simcha Torah).
Eines der vielen Kuriositäten dieses Festes ist, dass das neue Jahr nicht wie erwartet mit dem ersten Monat wieder anfängt, sondern, wie in 4.Moses 29,1 beschrieben, mit dem siebten:

Und am ersten Tag des siebten Monats sollt ihr eine heilige Versammlung halten; da sollt ihr keine Werksarbeit verrichten, denn es ist euer Tag des Hörnerschalls.

Tag des Hörnerschalls, richtig. An diesem Tag/diesen Tagen werden überall in allen Varianten die Schofarhörner geblasen, jede "Blasart" hat ihre eigene Aussage. Zurückzuführen ist dieser Brauch auch auf die Geschichte von Abraham, der statt seinem Sohn Isaak einen Widder opferte - das Blasen des Horns soll Abrahams Vertrauen auf Gott (und somit heute Israels Vertrauen) in Erinnerung rufen.
Gearbeitet wir selbstverständlich auch nicht, schon am Abend davor machen alle Läden dicht und alle Eggedbusse werden abgestellt. Man geht zum Beten in die Synagoge, hauptsächlich in weiß angezogen (rein, heilig), zum Festessen gibt es "Challah", ein schneckenförmiges Shabbatbrot (-> Kreislauf, Jahr fängt immer wieder von vorne an) und es gibt Honig en masse. In Honig wird so ziemlich alles getunkt und gegessen, Äpfel und Datteln vorzugsweise, neben anderen Saisonfrüchten. Honig ist ein Zeichen für ein gutes kommendes Jahr.

Die ersten zehn Tage in dem Neuen Jahr sind sehr heilige Tage, an denen man viel über sein Leben nachdenkt und viel Buße tut (darum auch Bußtage). Die ersten zwei sind Rosch Hashana, das Ende setzt Jom Kippur.
In dieser Zeit, so die jüdische traditionelle Geschichte, hat Gott das Lebensbuch von jedem Einzelnen aufgeschlagen und sieht auf die Taten des vergangenen Jahres. Die zehn Tage über bleibt das Buch geöffnet, bis Gott am Ende von Jom Kippur die Lebensgeschichte eines Jeden für das nächste Jahr aufschreibt.
Jom Kippur, der übrigends gestern bzw vorgestern war, ist der heiligste aller Feiertage, der große Versöhnungstag. An diesem Tag fasten die Juden, das Horn wird geblasen als Zeichen dafür, dass Gott nun sein Urteil über das vergangende Jahr gefällt hat, am Abend gibt es ein Festessen und, wenn man will kann man am Abend bereits mit dem Bau der Laubhütte für Sukkot (Laubhüttenfest) fünf Tage später anfangen.
Für die Juden ist diese Zeit davor keine Feierei im feuchtfröhlichen Sinn, sondern eine Zeit zum Nachdenken, Buße tun, Gebete, Gesang und um mit allen Menschen und Gott wieder ins Reine zu kommen.

Da bei uns nicht allzureligiöse Worker arbeiten, war das Fest/die Feste eher eine lustige als ernste Sache (gut, mit den Chaverim ist es irgendwie auch schwer, tiefreligiöse Feste andächtig zu feiern:P). Den überforderten Workern, die mit "How to celebrate Rosh HaShana"-Zetteln herumstanden ("So, wann essen wir die Äpfel?" "Ich glaube, wir brauchen eine Kerze" "Nein, nein, das ist nur an Shabbat"" "Haben wir Lieder? Müssen wir nicht Lieder singen? Kann jemand ein Lied singen?" "Nein, nein, ich kann nicht singen." " Nicht singen? Was bist du für ein Jude?" "Ach, und warum singst du dann nicht?" "Ich hab doch keine Ahung was man an Rosh HaShana singt" "Da hast dus, du bist hier der eindeutig schlechtere Jude.." "Lasst mal endlich essen hier, ich hab Hunger...." etc etc) wurde letztendlich durch einem Chaverim, der erstens mal singen konnte und es auch unheimlich lange (-.-) und gerne tut, und der zweitens mal von zu Hause über die Riten bescheid wusste, geholfen :>
Auch wenn ich nicht die enthusiastische religiöse Seite des Fests in der Synagoge oder in der Altstadt miterlebt habe weil ich gearbeitet, hatten wir doch einige andächtige Momente, die zwar durch Essenklauattacken unterbrochen wurden, aber sie waren da, und sie waren schön :)





Dienstag, 14. September 2010

Wochenendseminar am See Genezareth

Vom 27.08 bis zum 29.08  war das - ratet mal - Wochenendseminar am See Genezareth. Residiert wurde in Karei Deshe (hebr. Wiese), ein Anwesen, das seinem Namen alle Ehre macht. Eine großzügige weiße Anlage, umgeben von (nicht vertrockneten) Palmen und einer saftig grünen Wiese drum herum sowie ein kleines Stückchen See-Genezareth-Strand und unheimlich gutes Essen (Volos sind leicht zu beeindrucken, ich weiß, aber es war wirklich unheimlich gut;) )
Wenn wir nicht gerade gebadet oder unter Palmen geschlafen haben, waren wir unterwegs, um die Orte aufzusuchen, an denen Jesus damals unterwegs war, Wunder getan, gegessen oder geschlafen hat.
Da war zum Beispiel die Brotteilungskirche in Tabgah, Capernaum, der Berg der Seligpreisungen mit der riesigen architektonisch einfach umwerfenden katholischen Kirche/Palast/Ausbildungszentrum für katholische Pfarrer, eine Boottour auf dem See, auf dem wir dann unsere Andacht gehalten haben... war ziemlich beeindruckend, mal die Gegend zu sehen und sich die ganzen Geschichten über/von Jesus vor Ort vorstellen zukönnen.

Freitag, 3. September 2010

Hit the Road, Jack

Warum diese eintönigen sechs Stunden einen Extrablogartikel bekommen, liegt daran dass sie irgendwie doch ziemlich cool waren. In der Kürze liegt die Würze, darum:

Dinge, die wir auf den 20 km Highway Richtung See Genezareth getan/erlebt/gesehen haben:

  •  gefrühstückt (Hummos mit Brot abwechslungsreicherweise)
  •  Murmeltiere gesehen
  •  Datteln vom Boden gesammelt und gegessen
  •  Mangos gepflückt und gegessen
  •  Kaktusfeigen gepflückt und mit schmerzenden Fingern gegessen
  •  überteuertes Wasser und ein Eis aus einem Kiosk in der Pampa gekauft
  •  Ein salziges Schokocrepes gegessen (keine Ahung wie jemand auf die Idee kommt, irgendwo im   nirgendwo ein  Crepesstand aufzumachen)
  • am Jordan gesessen (er ist wirklich schmutzig)
  • gesungen und viel über Pfadfinder gelernt ;)
  • halb verhungert, verdurstet, verendet und Blasen gekriegt
Trotz allem sind wir halbwegs lebendig und dem guten Gefühl der völligen Erschöpfung rechtzeitig in Karei Deshe am See Genezareth zum ersten Wochenendseminar angekommen und erholt und geduscht war der Trip gar nicht mehr so schlimm sondern eher das Gegenteil, wie das eben so ist :)

Yehudia

Es liegt nicht in meiner Art, lange Berichte zu schreiben, was zum einen auf mein Kurzzeitgedächnis und zum anderen auf meine Demotivation nicht vorhandene Zeit zurückzuführen ist. Große Ausnahme heute, weil ich früher aus der Schicht gehen durfte und ich dem Werhatdenausführlichstenbloggruppenzwang unterlegen bin (Schande über mein Haupt). Kurztextleser also bitte hier die Seite wegklicken - oder die Bilder anschauen;)

Letzten Donnerstag, um acht Uhr morgens, sind wir (das sind: Aaron, David, Eduard, Kyrill und meine Wenigkeit) losgefahren, mit dem Eggedbus zur Centralbusstation und von dort an den See Genezareth und von dort mit dem Taxi ins Wadi Yehudia. Für alle, die es nicht wissen, ein Wadi ist ein ausgetrocknetes Flussbett, es gibt ungefähr tausend davon in Israel (plus minus Übertreibung) und die meisten sind Nationalparks, also man kann quasi nicht verlorgen gehen weil Ranger und andere Pfadfinder für Recht und Ordnung sorgen. Trotzdem Natur pur und so.
Also unsere 4-Mann-und-ich-starke Gruppe marschiert los - Chrissi muss sich am Kiosk natürlich erst mal mit Wasser und Kopfbedeckung versorgen, ich meine daran denkt ja auch niemand, wenn man in der Sonne wandern geht - es geht erst mal irrtümlich über einen Maschendrahtzaun in ausdrücklich verboten und abgesperrtes Gebiet - aber schneller als gedacht waren wir wieder auf dem richtigen, mit grünen Pfeilen ausgeschilderten Weg.
Zuerst durch hellbeigegelbe, stachelige, ausgedörrte Landschaft, dann ein Abstieg in den Wadi und dann eine erste Pause an einem kleinen Pool, wunderschön mit Wasserfall und kleinen und großen Fischen und Felsvorsprüngen - hat richtig eingeladen, reinzuspringen. Richtig gesprungen ist aber nur Kyrill muss man fairerweise dazu sagen, alle anderen haben sich weicheimäßig vernünftig und vorsichtig auf den glitschigen Steinen vorangetastet, bis man schwimmen konnte. Als wir von schmerzhaften Steinen und füßeanknabbernden Fischen genug hatten, haben wir gegessen und zwar Brot mit Hummos und Trauben. Die meisten 1/3 derTrauben haben wir an die Fische verfüttert (hat jemand schon mal traubenessende Fische gesehen?) und mit unserem Picknickplastiggeschirr haben wir einem gefundenen Krebs Tischmanieren beigebracht (er wollte aber immer nur das Messer halten, ich glaube David hat ihm wehgetan).
Nach allgemeiner Erheiterung über den Krebs nahm die Reise ihren weiteren Lauf, über Steine, Stöcke, durch Bambuswälder und durch, über und neben dem Fluss entlang - Ende im Gelände war dann an einem Felsvorsprung, an dem es so schätzungsweise tausend Meter in die Tiefe ging (plus minus Übertreibung), ganz klassisch mit Wasserfall und unter uns brodelnder weisser Schaum und der ganze Schnickschnack. Rucksack, einigermaßen wertvolle Sachen alles in einen wasserdichten Sack gepackt und runtergeklettert, sich in den kleinen See fallen lassen und durchgeschwommen ans andere Ufer. Sachen wieder ausgepackt ("Ahh, das ist feucht! Der Sack ist wohl doch nicht ganz dicht..." "Natürlich ist der Sack dicht ich hab ihn nur nicht richtig zugemacht" - mhm klar)  kurze Pause um den Ausblick zu geniesen und weiter gewandert. Ungefähr da ist mir heiß geworden, weil wir irgendwann erstens mal bergauf wandern mussten und zweitens mal aus dem Schatten des Wadis wieder in die heiße Israelsonne mussten. Meine Erinnerungen an das letzte Stück sind auch merkwürdig blass ich kann mich nur ganz schwach an einen Wanderstock erinnern, der mit viel Liebe aufgesammelt wurde und unehrenhafterweise wieder irgendwo im Tal verschwunden ist. [...]
Nun denn, wir waren wieder an der Anfangsstation, da wo man Eintrittskarten kauft und woher Chrissi das seltsame orangene Tuch und die Wasserversorgung hat und wo unsere Wertsachen eingesperrt waren. So ungefähr eine Stunde war nichts mehr mit uns anzufangen, jeder sammelte irgendwo am Boden oder auf Bänken ausgebreitet neue Energien, mit denen wir später wieder mehr oder weniger frisch und fröhlich entlang des Highway 87 dem Sonnenuntergang entgegenwanderten.
Als es dunkel wurde, bogen wir ab hinein in die stachelige dunkle Pampa. Es war stachelig und dunkel und es gab gelbe Heuschrecken ungefähr tausend davon sind auf uns herumgesprungen und weil es dunkel war war das ziemlich unangenehm. Das war ein übles Dilemma, weil es im Schlafsack einerseit unglaublich heiß war aber andererseits war man ausserhalb des Schlafsacks den Monsterheuschrecken ausgeliefert. Vorläufiges Ende der Geschichte war, Aaron packt sein Notebook aus (?!), er, Kyrill und Chrissi setzten sich auf die Road an den Rand (weniger heiß, keine Insekten) und hören sich ein Hörbuch von Ken Follett an. Hat damit geendet dass wir im Halbschlaf am Straßenrand lagen und von vorbeifahrenden Leuten gefragt wurden  Ha kol beseder?! 

Also richtiges Ende der Geschichte war, alle sind wieder sicher eingepackt im Schlafsack, schwitzen, ignorieren Insekten aller Art und schlafen friedlich und erstaunlicher Weise relativ gut. Am nächsten Tag ging es weiter, aber das ist fast schon eine andere Geschichte.


Mittwoch, 1. September 2010

Feierei im Beit Or

Gestern war ein übel lustiger Tag mit den Chaverim :)

Der Chief (ein typischer Israeli: Lässiger Look, Trekkingsandalen - die übrigends der totale Hit sind hier, unglaublich verplant aber mit großem Herz und noch größerer Coolness) hat eine kleine Party geschmissen, alle Eltern der Chaverim eingeladen, tonnenweise Pizza, Kekse, Kuchen, Cola und Fanta gekauft und einen Trommler organisiert.
Erstens hat es mega viel Spass gemacht meine beiden Mädels vor der Feier herauszuputzen - total anstrengend süß, wie aufgedreht sie waren :) Und zweitens war es mal sehr interressant, die Familien der ganzen Chaverim kennenzulernen (und manche verblüffende/skurrile Ähnlichkeiten festzustellen?)
Auf jeden Fall waren alle Chaverim überglücklich - denn eins verbindet sie trotz ihrer Verschiedenheit eignetlich alle: die unglaubliche Freude am Essen und (bis auf wenige Ausnahmen), die Freude am Krach machen, was dank dem Trommler auch - ähm - gewisse größere Ausmaße erlangte, sowohl gesanglich als auch im auf-die-Trommeln-dreschen.
Es wurde gesungen, gelacht, gegessen, getanzt, bis in die späten Abendstunden -  es war ein riesengroßer Spass.
Falls ich das noch nicht erwähnt habe: Ich LIEBE meinen Job :)

Mittwoch, 25. August 2010

Aschdod

So, Chrissi packt jetzt gleich für morgen, weil sie morgen mit Aaron, Kyrill, David und Eduard ins Waddi Yehudia fährt :) (Nationalpark, wandern und solche Sachen) Davor noch ein kurzer kleiner Eintrag  Einblick vom ersten Trip in Israel, ans Meer nach Aschdod, zusammen mit Kyrill.

War ein kleiner aber feiner Ausflug, zu wenig Essen, zu viel Sonne (für den einen mehr, für den anderen weniger - ich bin braun, Kyrill ist war rot;) ) aber das Meer und das Ambiente haben das wieder wettgemacht :)


Ansichtssachen :)

Also, angekommen sind wir in Tel Aviv, wo wir erstmal einen schönen heißen (Luft, Wasser, Sand alles heiß) Tag am Strand verbracht haben, danach sind wir nach Jerusalem zum Einführungsseminar gefahren. Jerusalem ist wunder wunderschön  Bilder sagen mehr als tausend Worte, also: ENJOY :)