Freitag, 3. September 2010

Yehudia

Es liegt nicht in meiner Art, lange Berichte zu schreiben, was zum einen auf mein Kurzzeitgedächnis und zum anderen auf meine Demotivation nicht vorhandene Zeit zurückzuführen ist. Große Ausnahme heute, weil ich früher aus der Schicht gehen durfte und ich dem Werhatdenausführlichstenbloggruppenzwang unterlegen bin (Schande über mein Haupt). Kurztextleser also bitte hier die Seite wegklicken - oder die Bilder anschauen;)

Letzten Donnerstag, um acht Uhr morgens, sind wir (das sind: Aaron, David, Eduard, Kyrill und meine Wenigkeit) losgefahren, mit dem Eggedbus zur Centralbusstation und von dort an den See Genezareth und von dort mit dem Taxi ins Wadi Yehudia. Für alle, die es nicht wissen, ein Wadi ist ein ausgetrocknetes Flussbett, es gibt ungefähr tausend davon in Israel (plus minus Übertreibung) und die meisten sind Nationalparks, also man kann quasi nicht verlorgen gehen weil Ranger und andere Pfadfinder für Recht und Ordnung sorgen. Trotzdem Natur pur und so.
Also unsere 4-Mann-und-ich-starke Gruppe marschiert los - Chrissi muss sich am Kiosk natürlich erst mal mit Wasser und Kopfbedeckung versorgen, ich meine daran denkt ja auch niemand, wenn man in der Sonne wandern geht - es geht erst mal irrtümlich über einen Maschendrahtzaun in ausdrücklich verboten und abgesperrtes Gebiet - aber schneller als gedacht waren wir wieder auf dem richtigen, mit grünen Pfeilen ausgeschilderten Weg.
Zuerst durch hellbeigegelbe, stachelige, ausgedörrte Landschaft, dann ein Abstieg in den Wadi und dann eine erste Pause an einem kleinen Pool, wunderschön mit Wasserfall und kleinen und großen Fischen und Felsvorsprüngen - hat richtig eingeladen, reinzuspringen. Richtig gesprungen ist aber nur Kyrill muss man fairerweise dazu sagen, alle anderen haben sich weicheimäßig vernünftig und vorsichtig auf den glitschigen Steinen vorangetastet, bis man schwimmen konnte. Als wir von schmerzhaften Steinen und füßeanknabbernden Fischen genug hatten, haben wir gegessen und zwar Brot mit Hummos und Trauben. Die meisten 1/3 derTrauben haben wir an die Fische verfüttert (hat jemand schon mal traubenessende Fische gesehen?) und mit unserem Picknickplastiggeschirr haben wir einem gefundenen Krebs Tischmanieren beigebracht (er wollte aber immer nur das Messer halten, ich glaube David hat ihm wehgetan).
Nach allgemeiner Erheiterung über den Krebs nahm die Reise ihren weiteren Lauf, über Steine, Stöcke, durch Bambuswälder und durch, über und neben dem Fluss entlang - Ende im Gelände war dann an einem Felsvorsprung, an dem es so schätzungsweise tausend Meter in die Tiefe ging (plus minus Übertreibung), ganz klassisch mit Wasserfall und unter uns brodelnder weisser Schaum und der ganze Schnickschnack. Rucksack, einigermaßen wertvolle Sachen alles in einen wasserdichten Sack gepackt und runtergeklettert, sich in den kleinen See fallen lassen und durchgeschwommen ans andere Ufer. Sachen wieder ausgepackt ("Ahh, das ist feucht! Der Sack ist wohl doch nicht ganz dicht..." "Natürlich ist der Sack dicht ich hab ihn nur nicht richtig zugemacht" - mhm klar)  kurze Pause um den Ausblick zu geniesen und weiter gewandert. Ungefähr da ist mir heiß geworden, weil wir irgendwann erstens mal bergauf wandern mussten und zweitens mal aus dem Schatten des Wadis wieder in die heiße Israelsonne mussten. Meine Erinnerungen an das letzte Stück sind auch merkwürdig blass ich kann mich nur ganz schwach an einen Wanderstock erinnern, der mit viel Liebe aufgesammelt wurde und unehrenhafterweise wieder irgendwo im Tal verschwunden ist. [...]
Nun denn, wir waren wieder an der Anfangsstation, da wo man Eintrittskarten kauft und woher Chrissi das seltsame orangene Tuch und die Wasserversorgung hat und wo unsere Wertsachen eingesperrt waren. So ungefähr eine Stunde war nichts mehr mit uns anzufangen, jeder sammelte irgendwo am Boden oder auf Bänken ausgebreitet neue Energien, mit denen wir später wieder mehr oder weniger frisch und fröhlich entlang des Highway 87 dem Sonnenuntergang entgegenwanderten.
Als es dunkel wurde, bogen wir ab hinein in die stachelige dunkle Pampa. Es war stachelig und dunkel und es gab gelbe Heuschrecken ungefähr tausend davon sind auf uns herumgesprungen und weil es dunkel war war das ziemlich unangenehm. Das war ein übles Dilemma, weil es im Schlafsack einerseit unglaublich heiß war aber andererseits war man ausserhalb des Schlafsacks den Monsterheuschrecken ausgeliefert. Vorläufiges Ende der Geschichte war, Aaron packt sein Notebook aus (?!), er, Kyrill und Chrissi setzten sich auf die Road an den Rand (weniger heiß, keine Insekten) und hören sich ein Hörbuch von Ken Follett an. Hat damit geendet dass wir im Halbschlaf am Straßenrand lagen und von vorbeifahrenden Leuten gefragt wurden  Ha kol beseder?! 

Also richtiges Ende der Geschichte war, alle sind wieder sicher eingepackt im Schlafsack, schwitzen, ignorieren Insekten aller Art und schlafen friedlich und erstaunlicher Weise relativ gut. Am nächsten Tag ging es weiter, aber das ist fast schon eine andere Geschichte.


2 Kommentare:

  1. interessant ;)
    aber das ganze wandern hört sich anstrengend an:)) (plus minus übertreibung-> esti tare :)) )

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  2. ziemlich geil, würd ich sagen :D .... wenn ich komm müssen wir auch durch irgendwelche sträucher laufen :D ... :-*

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