Montag, 20. September 2010

Chag Sameach allerseits

(Fröhliche Feiertage)

So, nachdem mein Blog als typischer Frauenblog beschimpft wurde (pff), auf dem nicht viel passiert und wenn dann nur nichtssagendes subjektives Geschreibe (pfffffff) - bekommt ihr hier ein (hoffentlich einigermaßen korrektes) Wissenspaket über die Feiertage, die hier gerade so am Start sind :) 

Zum einen hat hier letzte Woche am 8. September ein neues Jahr angefangen, nämlich das Jahr 5771 nach jüdischem Kalender. Das Neujahrsfest heißt Rosch HaSchana (erinnert euch das an den "guten Rutsch"? kommt tatsächlich davon, dass ein paar Leute nicht richtig zugehört haben;)), ist das erste der vier wichtigsten (?) kurz aufeinanderfolgenden jüdischen Feste (Jom Kippur, Sukkot, Simcha Torah).
Eines der vielen Kuriositäten dieses Festes ist, dass das neue Jahr nicht wie erwartet mit dem ersten Monat wieder anfängt, sondern, wie in 4.Moses 29,1 beschrieben, mit dem siebten:

Und am ersten Tag des siebten Monats sollt ihr eine heilige Versammlung halten; da sollt ihr keine Werksarbeit verrichten, denn es ist euer Tag des Hörnerschalls.

Tag des Hörnerschalls, richtig. An diesem Tag/diesen Tagen werden überall in allen Varianten die Schofarhörner geblasen, jede "Blasart" hat ihre eigene Aussage. Zurückzuführen ist dieser Brauch auch auf die Geschichte von Abraham, der statt seinem Sohn Isaak einen Widder opferte - das Blasen des Horns soll Abrahams Vertrauen auf Gott (und somit heute Israels Vertrauen) in Erinnerung rufen.
Gearbeitet wir selbstverständlich auch nicht, schon am Abend davor machen alle Läden dicht und alle Eggedbusse werden abgestellt. Man geht zum Beten in die Synagoge, hauptsächlich in weiß angezogen (rein, heilig), zum Festessen gibt es "Challah", ein schneckenförmiges Shabbatbrot (-> Kreislauf, Jahr fängt immer wieder von vorne an) und es gibt Honig en masse. In Honig wird so ziemlich alles getunkt und gegessen, Äpfel und Datteln vorzugsweise, neben anderen Saisonfrüchten. Honig ist ein Zeichen für ein gutes kommendes Jahr.

Die ersten zehn Tage in dem Neuen Jahr sind sehr heilige Tage, an denen man viel über sein Leben nachdenkt und viel Buße tut (darum auch Bußtage). Die ersten zwei sind Rosch Hashana, das Ende setzt Jom Kippur.
In dieser Zeit, so die jüdische traditionelle Geschichte, hat Gott das Lebensbuch von jedem Einzelnen aufgeschlagen und sieht auf die Taten des vergangenen Jahres. Die zehn Tage über bleibt das Buch geöffnet, bis Gott am Ende von Jom Kippur die Lebensgeschichte eines Jeden für das nächste Jahr aufschreibt.
Jom Kippur, der übrigends gestern bzw vorgestern war, ist der heiligste aller Feiertage, der große Versöhnungstag. An diesem Tag fasten die Juden, das Horn wird geblasen als Zeichen dafür, dass Gott nun sein Urteil über das vergangende Jahr gefällt hat, am Abend gibt es ein Festessen und, wenn man will kann man am Abend bereits mit dem Bau der Laubhütte für Sukkot (Laubhüttenfest) fünf Tage später anfangen.
Für die Juden ist diese Zeit davor keine Feierei im feuchtfröhlichen Sinn, sondern eine Zeit zum Nachdenken, Buße tun, Gebete, Gesang und um mit allen Menschen und Gott wieder ins Reine zu kommen.

Da bei uns nicht allzureligiöse Worker arbeiten, war das Fest/die Feste eher eine lustige als ernste Sache (gut, mit den Chaverim ist es irgendwie auch schwer, tiefreligiöse Feste andächtig zu feiern:P). Den überforderten Workern, die mit "How to celebrate Rosh HaShana"-Zetteln herumstanden ("So, wann essen wir die Äpfel?" "Ich glaube, wir brauchen eine Kerze" "Nein, nein, das ist nur an Shabbat"" "Haben wir Lieder? Müssen wir nicht Lieder singen? Kann jemand ein Lied singen?" "Nein, nein, ich kann nicht singen." " Nicht singen? Was bist du für ein Jude?" "Ach, und warum singst du dann nicht?" "Ich hab doch keine Ahung was man an Rosh HaShana singt" "Da hast dus, du bist hier der eindeutig schlechtere Jude.." "Lasst mal endlich essen hier, ich hab Hunger...." etc etc) wurde letztendlich durch einem Chaverim, der erstens mal singen konnte und es auch unheimlich lange (-.-) und gerne tut, und der zweitens mal von zu Hause über die Riten bescheid wusste, geholfen :>
Auch wenn ich nicht die enthusiastische religiöse Seite des Fests in der Synagoge oder in der Altstadt miterlebt habe weil ich gearbeitet, hatten wir doch einige andächtige Momente, die zwar durch Essenklauattacken unterbrochen wurden, aber sie waren da, und sie waren schön :)





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